Gewicht verlieren, gewinnt man von 3,5 Kilo geernteten grünen Schoten nur etwa 1 Kilo Vanille. Der Preis richtet sich nach Qualität und Größe der Schoten. Es dauert fast ein Jahr, von der Blütezeit an gerechnet, bis die Vanille fertig für den Export ist.Die
ursprüngliche Vanille-Heimat ist Mexiko. Hauptanbaugebiete sind heute Madagaskar
und Reunion. Geringe Mengen kommen auch aus Tahiti. In Mexiko und anderen tropischen
Gebieten wird ebenfalls noch Vanille angebaut, ihr Export spielt aber keine größere
Rolle mehr.
Als die Spanier um
1519 Mexiko eroberten, erfuhr Europa zum ersten Mal von der Vanille. Die Azteken
würzten seit Jahrhunderten ihr Schokoladengetränk damit und verwendeten
Vanille außerdem als eine Art Parfüm und als Heilmittel. Um 1680 war
es bereits bei feinen Leuten in Spanien und Frankreich üblich, Schokolade
mit Vanille zu trinken. Den mexikanischen Namen Tlilxochitl wandelten die Spanier
in Anlehnung an das Wort vainilla = Schötchen ab. Über 300 Jahre lang
hielten die Spanier das mexikanische Vanille-Monopol. Mehrfach wurde versucht,
Schößlinge der kostbaren Pflanze über die Grenzen zu bringen,
um in anderen tropischen Gebieten eine neue Zucht zu beginnen, obgleich hohe Strafen
drohten, sogar die Todesstrafe. Holländer und Franzosen bemühten sich,
in Versuchsgärten die Vanille zu kultivieren, um sich am einträglichen
Vanillegeschäft zu beteiligen. Die Schößlinge trieben wohl aus
und entwickelten sich prächtig, sie trugen aber keine Früchte. Erst
nach langen Versuchen, etwa um 1864, gelang der Anbau auf der französischen
Insel Bourbon, die heute Reunion heißt. Man stellte fest, daß die
Insektenarten, die neben den Kolibris die Befruchtung bewirkten, in der neuen
Heimat fehlten - und begann mit der künstlichen Bestäubung. Die spanische
Vanille-Herrschaft war gebrochen, und die Vanille wurde jetzt in vielen anderen
tropischen Gebieten kultiviert. Vanille und
Vanillin Der wichtigste Aromastoff der Vanille ist das Vanillin. Vanillin läßt
sich auch künstlich herstellen. Das aus dem Gewürznelkenöl gewonnene
Eugenol ist der Grundstoff für Vanillin. Die Entdeckung, daß man Vanillin
künstlich herstellen kann, brachte den hohen Preis für echte Vanille
zum Sturz - zum Glück für alle Leute, die gern gut kochen. Denn echte
Vanille ist durch nichts zu ersetzen, zumal Vanillin nur ein Wirkstoff der echten
Vanille ist, deren Geschmack noch mehrere andere Aromabestandteile bestimmen. Der
größte Teil der Vanille-Einfuhr wandert in die Lebensmittel-Industrie
für Backwaren, Schokoladenerzeugnisse, Puddinge und Puddingsoßen, Speiseeis
und Liköre. Als Geschmackgeber wird Vanille in der Arzneimittelherstellung
gebraucht, als Aromageber in der Kosmetik-Industrie. Vanille in der Küche Alle
süßen Gerichte werden noch feiner im Geschmack und Duft durch Vanille,
zum Beispiel: Puddinge und Puddingsoßen, süße Suppen und Soßen,
Schlagsahne, Rhabarberspeisen, Obstkuchen und trockene Kuchen, Kekse und Fettgebackenes,
süße Reis-, Quark- und Joghurtgerichte, Kompotte und Marmeladen, Tortenfüllungen,
selbstbereitetes Eis und selbstgemachte Bonbons
und Konfekt, frische Früchte mit Milch und Zucker, süße Klöße,
Schaumspeisen, Brezel, Brot, Krapfen und natürlich Kakao oder andere Schokoladengetränke. Wichtig
für die Hausfrau: Die Vanilleschote aufschneiden und das Fruchtmark und die
Samen in die Speisen schaben. Die Schoten kann man mitkochen und vor dem Anrichten
wieder herausfischen. Die ausgeschabten oder mitgekochten (trockenen) Schoten
in einem gut verschlossenen Gefäß zusammen mit Zucker aufbewahren -
der durch diesen einfachen Küchentrick zum hocharomatischen Vanillezucker
wird. Übrigens: Echter Vanillezucker, den man fertig kaufen kann, ist deutlich
erkennbar an den kleinen schwarzen Punkten. |