Wutentbrannt über seine menschliche Schwäche riss er sich am anderen
Morgen beide Augenlider aus und warf sie auf die Erde. Die Lider schlugen Wurzeln
heraus wuchsen zwei immergrüne Teesträucher. Der Missionar kostete
davon und war begeistert, denn seine Müdigkeit war verflogen.
Bodhidarma
ist keineswegs erfunden, sondern es hat ihn wirklich gegeben. Der Rest der Geschichte
ist allerdings sehr zweifelhaft obwohl in Japan der Tee und das Augenlid
mit demselben Schriftzeichen wiedergegeben werden.
Wahrheit Die
wahre Geschichte des Tees? Tee ist älter als die japanischen Schriftzeichen.
Man kann ziemlich sicher sagen, dass sich die Geschichte des Tees während
der ersten 3.000 Jahre auf China beschränkte. Nirgendwo sonst wurden nämlich
wilde Teesträucher entdeckt.
400 Jahre v. Chr. boten die Chinesen
ihren Gästen Tee an, zu Zeiten des großen Gelehrten Laotse. Vorher
war er als Heilmittel bekannt. Die bewährte Methode, die Blätter mit
Wasser aufzubrühen, entstand aber erst viel später, in der Ming-Dynastie
(1368-1644).
Die Wurzeln des Tees sind unzweifelhaft in China zu suchen.
Die Chinesen hüteten lange die Geheimnisse des goldenen, wohltuenden Getränks,
bevor der Tee im 7. bis 9. Jahrhundert auch in Tibet, Korea und Japan bekannt
wurde. Europa kam im 17. Jahrhundert auf den Geschmack. Die Niederländer
importierten 1606 die erste Lieferung Tee mittels ihrer Ostindischen Compagnie
nach Amsterdam. Allerdings dauerte es Monate, bis die begehrte Ware aus den Anbaugebieten
am Zielort eintraf. Das machte Tee so rar wie kostspielig. Die Chinesen
hatten, als einziger Teeproduzent, lange ein Monopol auf den Handel mit Tee. 1669
schaltete sich ein Land massiv in den Teehandel ein, das heute noch den Welthandel
mit Tee beherrscht: England. Die East India Company brach das chinesische Monopol,
öffnete neben Kanton mehrere Handelshäfen und hielt ihr Monopol bis
1833. Die Briten unternahmen um sich von China unabhängig zu
machen eigene Anbauversuche in ihren indischen Kolonien, nachdem Versuche
auf heimischem Boden unter englischem Klima kläglich gescheitert waren. 1840
kamen die ersten Teeproben aus Indien in London an und erfreuten sich allgemeiner
Beliebtheit. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden auch in Deutschland
erste Teegeselligkeiten oder literarische Teetische. Der
Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe lud beispielsweise zum großen
Tee ein. Der berühmte Fünfuhrtee wurde in den dreißiger
Jahren des 20. Jahrhunderts bekannt, als Cafés und Salons der großen
Hotels Tanztee-Veranstaltungen mit Gebäck gaben.
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